Offener Brief an die Mitglieder des Fachausschusses für Weiterbildung und Kultur

Berlin, 21.März 2012 (als PDF)

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dem von Ihnen verabschiedeten Haushaltsplan 2012/2013 wurde auf Vorschlag der Musikschulleitung festgelegt, den Standort der Musikschule in Köpenick, Friedrichshagener Str. 8P, zum 01.01.2013 zu schließen.

Leider ist die Musikschule bis dato in dieser Angelegenheit nicht Ihrer Informationspflicht nachgekommen und zwar weder vor noch nach der Beschlussfassung, so dass bei den betroffenen Musikschülern, aber auch den Eltern und Freunden der Musikschule eine tiefe Verunsicherung, aber auch wachsende Empörung herrscht.

Der Beschluss – soweit den Betroffenen aus den Medien bekannt – stößt bei vielen, nicht zuletzt auch beim Förderverein der Musikschule, auf Unverständnis, zumal derzeit noch kein umsetzungsfähiges Konzept vorliegt, wie dieser gut funktionierende und aufeinander abgestimmte Teil der Musikschule künftig erhalten bleiben soll. Von der Schließung des Standorts wären ca. 850 Musikschüler mit ihren Lehrkräften – überwiegend bereits aus Kostengründen als Honorarkräfte beschäftigt – und ihren zum Teil hochwertigen Instrumenten betroffen.

Viel Zeit zur Erarbeitung und Umsetzung eines alternativen Lehr- und Lernkonzeptes bleibt den Verantwortlichen nicht mehr!

Soweit uns bekannt ist, sollen die Angebote der Musikschule künftig unter (möglichst kostenfreier/-armer(?) Nutzung anderer Einrichtungen, wie Schulen, Kitas, Kultureinrichtungen großflächig über Köpenick verteilt, d. h. dezentralisiert werden.

Diese Planung halten wir jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt für realitätsfern und bis zum Jahresende nicht umsetzbar, so dass die Musikschularbeit in Köpenick durch die Schließung des Standorts in der Friedrichshagener Str. akut gefährdet ist. (Teure) private Einzelanbieter/Musikschulen für zahlungskräftige Interessierte gibt es bereits großflächig über den Bezirk verteilt.

Mit der Standortschließung sehen wir jedoch den Charakter einer öffentlichen Musikschule mit fachübergreifenden Projekten „unter einem Dach“ und ihrem damit verbundenem öffentlichen Bildungsauftrag im Stadtteil Köpenick erheblich gefährdet!

Aus diesem Grund haben wir Eltern und Freunde der Musikschule uns zusammengeschlossen, um uns gemeinsam und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt des Standortes einzusetzen.

Dabei setzen wir u.a. auch auf Information und auf Ihre Unterstützung als politische Vertreter des Bezirks. Stellvertretend sei hier an eine Passage aus dem Wahlprogramm der CDU im letzten Herbst erinnert:

„… Lernen braucht verlässliche Rahmenbedingungen auch in den … Musikschulen. Um diese Angebote aufrecht zu erhalten und auszubauen, werden diese Institutionen auch in den nächsten Jahren im Fokus unserer Arbeit stehen. … Die bezirkliche Musikschule ist eine öffentliche gemeinnützige Einrichtung der musikalischen Bildung für Kinder, Jugendliche … und erfüllt damit einen öffentlichen Bildungsauftrag. … Finanzielle Kürzungen, gerade in diesem wichtigen Bereich, sind der falsche Weg. … Deshalb wird sich die CDU Treptow-Köpenick für … den Erhalt der Standorte der Musikschule einsetzen.“

Wir möchten Ihnen, liebe Bezirksverordnete im Fachausschuss, unsere Argumente und Sorgen vortragen, die gegen eine Standortschließung sprechen, und mit Ihnen – sofern nachweislich zwingend notwendig und unter Beachtung eines ausreichenden Zeitraums umsetzbar – in einen Dialog zu den Möglichkeiten der finanziellen Rettung des Standortes (z. B. durch Sponsoring, wie im Sport längst Alltag) und umsetzbarer Alternativen treten.

Wenn möglich wollen wir dazu auch Ihre öffentlichen Ausschusssitzungen nutzen, um fehlender Transparenz und Information seitens der Verantwortlichen im Bezirk zu begegnen.

Es gibt doch in unserer Stadt ausreichend sozial engagierte, kulturell interessierte und auf ihr Ansehen bedachte Unternehmen, welche – bei ausreichender Sensibilisierung und entsprechender Öffentlichkeitswirksamkeit – an der Sicherung einer musikalischen Grundausbildung für weite Teile der Gesellschaft und der Weitergabe des kulturellen Erbes an künftige Generationen interessiert sein sollten.

Obgleich der Haushalt inzwischen beschlossen wurde, geben wir die Hoffnung nicht auf, dass es auch nach dem 31.12.2012 eine praktikable Lösung für das Fortbestehen der Musikschularbeit am bisherigen Standort in Köpenick geben wird.

Wir werden jedenfalls den „schleichenden Tod“ der über viele Jahrzehnte aufgebauten und über die Grenzen des Bezirks anerkannten Köpenicker Musikschule nicht wort- und tatenlos hinnehmen und hoffen dabei auch auf Ihre breite Unterstützung als Bürgerdeputierte des Bezirks!

Mit freundlichen Grüßen

Antje Scheel,
stellvertretend für eine Vielzahl betroffener Musikschüler, Eltern und Freunde der Musikschule

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