Offener Brief Protest gegen die geplante Aufgabe der Zweigstelle Friedrichshagener Straße der Joseph-Schmidt-Musikschule

(als PDF, unterschrieben)

Sehr geehrte Frau Dr. Gocksch,

mit großem Befremden haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass von Ihnen aktiv die Aufgabe der Zweigstelle Friedrichshagener Straße unserer Joseph-Schmidt-Musikschule zum 01.01.2013 betrieben wird.

Wir protestieren hiermit nachdrücklich gegen diese Entscheidung sowie deren bisher nicht erfolgte Kommunikation gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gerade die Tatsache, dass zuerst über den Haushaltsplan des Bezirks Treptow-Köpenick und über die Ausschüsse der BVV Tatsachen geschaffen werden und das Kollegium bis heute über eine so weitreichende Entscheidung informiert ist, halten wir für untragbar. Aus unserer Sicht wäre es erforderlich gewesen, zuerst das Gespräch mit den festen und freien Mitarbeitern zu suchen, deren Arbeit durch eine so weitreichende Strukturveränderung doch am meisten betroffen ist. Von einer verantwortlichen Führungskraft hätten wir eine transparente und offene Kommunikation im Vorfeld des Entscheidungsprozesses erwartet, keinen kulturpolitischen Kahlschlag, der in Hinterzimmern vereinbart wird.

Wir sind zudem empört darüber, dass Sie sich über den einstimmig gefassten BVV-Beschluss vom 25.11.2010 „Musikschule am Standort Friedrichshagener Straße dauerhaft sichern“ (Drs. VI/1591, Beschluss-Nr.: 956/45/10) hinwegsetzen, der das Bezirksamt ersucht, die dauerhafte Sicherung des Standorts mit einem inhaltlichen und baulichen Konzept zu begleiten.

Noch am 14.10.2011 übermitteln Sie selbst im Rahmen eines Zwischenberichts detaillierte Vorstellungen zur weiteren Profilierung der Zweigstelle, die Sie nun wirtschaftlichen Überlegungen opfern wollen.

Gern erinnern wir in diesem Zusammenhang an Ihren Gastkommentar vom März 2004 in der Zeitung „Fraktion vor Ort“ der SPD-Lichtenberg, in der Sie als Mitglied des dortigen Kulturbeirates und damalige Zweigstellenleiterin der Musikschule Friedrichshain der Frage nachgehen, „ob die Kultur als freiwillige Aufgabe bald unter die Räder kommt“?

So heißt es bei Ihnen wörtlich: „Es darf nicht dazu kommen, dass die Belange der Wirtschaft als so vorrangig angesehen werden, dass die bisherige Entwicklung im kulturellen Bereich zunichte gemacht wird.“ Dem stimmen wir vollkommen zu und auch Ihr formulierter Protest gegen die Aufgabe der Zweigstelle Hohenschönhausen können wir nur unterstützen: „Das würde für Kinder, Jugendliche, Eltern und auch Lehrer erhebliche Querelen und Probleme mit sich bringen, anstatt ihre Kreativität und Freude an der Musik zu unterstützen.“ Uns ist daher umso unverständlicher, dass Sie nun genau dies für den flächengrößten Berliner Bezirk Treptow-Köpenick mit der Aufgabe der Zweigstelle Köpenick vorbereiten.

Als Ersatz wollen Sie den Unterricht dezentral in die Schulen verlagern, was jedoch selbst aus Ihrer Sicht im damaligen Kommentar als kontraproduktiv beschrieben wurde: „Ein Teil des Angebotes soll dezentral in verschiedenen allgemeinbildenden Schulen untergebracht werden. Dadurch wäre einerseits die Ensembletätigkeit und der für die Arbeit unentbehrliche notwendige Kontakt zwischen den Kollegen gefährdet sowie andererseits die unverzichtbare fachgerechte Lagerung des Instrumentariums nicht mehr gewährleistet. Das Ende der Institution Musikschule als klingendes kulturförderndes Haus ist damit vorprogrammiert.“

Da Sie selbst bereits vor acht Jahren die Konsequenzen Ihres jetzigen Handels beschreiben, bitten wir Sie eindringlich, Ihre angedachte Entscheidung mit dem Ziel zu überdenken, den Standort der Zweigstelle in der Friedrichshagener Straße dauerhaft zu erhalten.

Wir bedauern es ausdrücklich, dass Sie bisher nicht den Kontakt zum Förderverein gesucht haben, der Ihnen insbesondere beim Erhalt des Standorts auch in schwierigen Zeiten bei angespannter Haushaltslage engagiert und konstruktiv den Rücken gestärkt hätte. Dadurch hätte die nun eingetretene Verunsicherung bei Schülern, Eltern und Lehrern vermieden werden können.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Siegfried Lorenz

– Vorsitzender –

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